Novemberpogrom • 80 Jahre danach

9. November 1938
Die SA-Führung ordnete nach einer Hetzrede Goebbels landesweite Pogrome  gegen Juden an: »Gewaltbereite und völlig enthemmte Trupps wüteten im ganzen Land mit großer Brutalität. Synagogen und Gemeindehäuser wurden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte, Kaufhäuser und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert. Mehr als 90 jüdische Bürgerinnen und Bürger fanden den Tod, über 25.000 jüdische Männer wurden in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau verschleppt. Dieses Pogrom leitete eine neue Etappe der Grausamkeiten deutscher Faschisten bei der Ausgrenzung, Verfolgung und letztlich Vernichtung der deutschen Jüdinnen und Juden ein.«
(Dr. Inge Lammel, Ausstellung »Jüdisches Leben in Pankow – Vom Anbeginn zum Neubeginn«)

An den Pogromen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Nachbarn nutzten die Zerstörung jüdischen Eigentums zur Plünderung. Diese Überfälle auf jüdische Familien wurden häufig von jubelnden Schaulustigen begleitet. Unterstützung fanden die Gehetzten in dieser Nacht nicht. Auch im heutigen Bezirk Pankow wurden jüdische Geschäfte entglast – wie das des Schuhmachers James Klein. Und es wurden Menschen geschlagen und verschleppt – wie der jüdische Rechtsanwalt Herbert Eger.

Und heute, 80 Jahre danach, schauen wir auf wieder erstarkenden Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus – auf der Straße, in den neuen Medien, und in den Parlamenten. Nach einer großen Fluchtbewegung aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien empfingen viele Menschen in Deutschland freundlich und offen Hunderttausende Menschen. Zugleich schürte der rechte Rand Angst und Hass. Den Worten folgten bald Taten: In 2016 rund tausend Brandanschläge auf Unterkünfte und unfassbare 2500 gewalttätige Angriffe auf Geflüchtete. Dieser Hass gegen Fremde wird von rechten Hetzern oft verknüpft mit dem Hass gegen Muslime – ein ebenso altes Motiv wie der Judenhass in Europa. Die AfD präsentiert sich hier nicht selten sogar als Beschützer der Jüdinnen und Juden in Deutschland vor dem Antisemitismus unter Geflüchteten. Dabei ist sie, wie die anderen rechten Parteien, ein Sammelbecken für Geschichtsrevisionismus, Holocaustleugnung und antisemitisches Verschwörungsdenken. Leider tritt Antisemitismus aber auch quer durch unsere Gesellschaft auf.

Die Pogromnacht führte nach Auschwitz. »Nie wieder Auschwitz« heißt deshalb, sich gegen alle diese Erscheinungen zu stemmen, die in Richtung eines neuen Auschwitz weisen. Pogrome gegen Geflüchtete, Geschichtsrevisionismus, offener Antisemitismus, aber auch Israelhass erfordern mutigen Widerspruch und politisches Handeln.

Im Gedenken
Veranstaltungen und Ausstellungen im Bezirk Pankow